Fourier Report - Wie ich so arbeite

„Das kann doch nicht wahr sein! Da eiern wir seit Monaten um das Problem herum und jetzt kommen sie, und wir finden in zwei Stunden eine Lösung. Waren wir denn alle völlig vernagelt?“ Dieser Ausbruch meines Gegenübers hatte mich im ersten Moment ziemlich erschreckt, aber dann setzte er ein breites Grinsen auf, reichte mir die Hand über den Tisch und meinte anerkennend, dass ich mein Geld schon wert sei. Wir hatten nämlich gerade ein ziemlich verzwicktes Problem gelöst, für die Firma enorm wichtig, und ich hatte das Management bei der Lösungsfindung unterstützt.

Ich werde nach solchen Situationen oft gefragt, wie ich es eigentlich hinbekomme, in kurzer Zeit auf mir fremden Gebieten Lösungen herbeizuführen. Die Antwort ist ziemlich einfach, aber ein ziemlich guter Trick. Und jeder könnte ihn anwenden.

Und hier kommt er:

Alle Rezepte, vorgegebenen Lösungen, Lehrbuchweisheiten, „wir machen das immer so“ und „in der Branche wird das so gemacht“ sind mir schnurz. Ich schaue sie mir – wenn überhaupt – nur an, um sie nicht zu benutzen, um nicht in die Falle des ausgetretenen Pfades zu gehen. Ich weigere mich, darüber auch nur ansatzweise nachzudenken. Wenn sie nämlich funktionieren würden, hätte man mich nicht gerufen.

Stattdessen konzentriere ich mich auf Prinzipien, und wie ich diese auf die konkrete Situation, auf genau das vorliegende Problem anwenden kann. Das ist spannend, fordert meine Intelligenz heraus und führt immer zu den passenden Lösungen. Ich mache das zusammen mit den Fachleuten aus den Unternehmen, zu denen ich gerufen werde. Zuerst locke oder dränge ich sie – je nachdem – von den eingefahrenen Gleisen runter und dann überlegen wir gemeinsam, wie wir die Bedingungen und Regeln für die Anwendung der Prinzipien auf das konkrete Problem gestalten können. Und das ist dann schon die Lösung, die nur für Leute überraschend ist, die den Trick nicht kennen.

Beispiel:

Ein Prinzip für gute Meetings heißt „Jedes Meeting darf nur einen Zweck verfolgen, nur EINEN!“ Informieren, entscheiden, Lösungen suchen usw. Danach richtet sich dann, wer daran teilnimmt, wie es vorbereitet wird, wie lange es dauert und was mit den Ergebnissen gemacht wird. Demnach bekommt jedes Meeting das seinem Zweck entsprechende Design, und schon laufen die Meetings besser und es wird weniger Zeit damit vergeudet.

Beispiel:

Ein, nein das Prinzip für Motivation lautet „Motivation entsteht von innen nach außen – oder von unten nach oben – niemals umgekehrt!“ Also müssen wir herausfinden, was die Mitarbeiter umtreibt, begeistert, womit sie identifiziert sind. Und das müssen wir dann bedienen, zumindest anteilig, soweit es eben geht. Heraus kommt mehr und nachhaltige Motivation.

Beispiel:

Ein Prinzip für Organisationsstrukturen ist „Organisationsstrukturen müssen die Arbeit (Wertschöpfung) unterstützen!“ Ein weiteres heißt „In einer Organisationseinheit müssen alle Funktionen verfügbar sein, um die Aufgabe dieser zu erfüllen!“ Wenn man beides anwendet, entstehen Organisationsstrukturen, die sich an den Arbeitsprozessen ausrichten, Prozessunterbrechungen und Informationslücken vermeiden.

Nun ist das mit dem Trick so eine Sache, wie mit jedem Trick. Man braucht dafür Talent und muss mächtig üben, ehe man ihn meisterlich beherrscht. Man spricht von 10.000 Stunden bis zur Perfektion. Aber ich hatte dafür ja genügend Zeit, denn ich mache im Wesentlichen nichts Anderes. Einige der Themen und Aufgabenstellungen, mit denen ich mich aktuell beschäftige, sind:

  • Entwicklung von Organisationsstrukturen fĂĽr Unternehmen, bei denen sich gerade und in naher Zukunft viel verändert.
  • Analyse der Kommunikation in Unternehmen, besonders am Shopfloor, und daraus die Ableitung von Motivationsstrategien und MaĂźnahmen zur Verbesserung des Betriebsklimas.
  • Verbesserung der Zusammenarbeit in Managementteams, Justierung der Interessenlagen und Entwicklung von Gemeinsamkeit und Verantwortung fĂĽr das Ganze.
  • Optimierung von Meetings, der Nachverfolgung von Festlegungen und andere Themen zur Entwicklung von Verantwortungskultur.
  • Wiederbelebung und Aktivierung verloren geglaubter Projekte.

Alles spannende Herausforderungen, die nach der Anwendung von Prinzipien statt dem Wiederkäuen alter Lösungen geradezu lechzen. Ich wende meinen Trick an, fühle mich pudelwohl dabei und das bringt den Erfolg.