Motivation - wie geht das denn?

Da wĂ€re zunĂ€chst einmal die Frage, welche Motivation im konkreten Einzelfall gemeint und erforderlich ist und wie motiviert Mitarbeiter denn eigentlich sein mĂŒssen? Braucht es fĂŒr einen Werker am Fließband die gleiche Motivation wie fĂŒr einen Abteilungsleiter oder den Kreativen in einer Werbeagentur? Was heißt Motivation bei einem Forscher und was bei einem Piloten? Soll der eine mehr fĂŒr QualitĂ€t motiviert sein, der andere mehr fĂŒr Arbeitstempo? Bedeutet Motivation, Althergebrachtes in Frage zu stellen und neue Ideen zu haben oder geht es darum, exakt immer wieder die gleichen Arbeitsvorschrften und Prozeduren zu wiederholen?

Bei ein wenig Nachdenken wird man sehr schnell feststellen, dass die gleiche Art und IntensitĂ€t von Motivation fĂŒr die eine Berufsgruppe positiv wirkt, fĂŒr die andere dagegen fatal sein kann. Stellen Sie sich einmal vor, ein Pilot hĂ€tte die gleiche Art Motivation wie ein Forscher oder ein Kreativer und probiert deshalb stĂ€ndig etwas Neues aus. In dem Flugzeug möchte ich nicht sitzen! Wir sehen also, dass es je nach Berufsgruppe, je nach Hierarchieebene, je nach Aufgabengebiet unterschiedliche Anforderungen gibt. Man muss die Art, die Richtung und das Ausmaß an Motivation differenzieren. 

Nach meinen Beobachtungen genĂŒgt es fĂŒr eine Vielzahl beruflicher TĂ€tigkeiten völlig, dass die Mitarbeiter genau das tun, was sie tun mĂŒssen. Und hierfĂŒr reichen die von Maslow definierte Vorstellung der Motivationsebenen (materielle, Sicherheits-, emotionale und soziale BedĂŒrfnisse) sowie die daraus abgeleiteten und ĂŒberall in Wirtschaftsunternehmen und darĂŒber hinaus gebrĂ€uchlichen Entlohnungs- und Incentivsysteme völlig aus. Unter diesen Systemen arbeiten die Menschen in der Regel sehr zuverlĂ€ssig und berechenbar gemĂ€ĂŸ den QualitĂ€ts-, Zeit- und Kostenvorgaben - ich nenne das den "MÜSSEN-Modus".

Es gibt aber auch noch andere TĂ€tigkeiten, solche, die KreativitĂ€t erfordern, die Mut, Hingabe und das Überschreiten von Grenzen verlangen. Wenn ein Unternehmen Leistungen ĂŒber das Normalmaß hinaus benötigt - nicht in der Menge, sondern hinsichtlich Innovation, pfiffiger Aufmachung, erfolgreicher Vermarktung, neuen GeschĂ€ftsmodellen - dann reicht der MÜSSEN-Modus nicht mehr aus. Hierzu ist es erforderlich, dass Menschen mehr als das Normale tun, nicht nur abarbeiten, Vorgaben erfĂŒllen, Mengen steigern und Kosten senken. Sie brauchen Ideen und mĂŒssen diese Ă€ußern und in die Tat umsetzen. Sie sollen sich auf Unberechenbarkeit, auf Überraschungen und auf die Möglichkeit des Scheiterns einlassen. Das tun Menschen nur, wenn sie es selbst wollen. Sie arbeiten im "WOLLEN-Modus".

Manche tun das von allein, weil sie Spaß an so etwas haben. Ihre Zahl ist jedoch begrenzt. Unternehmen haben aber heutzutage das Problem, dass die Anzahl derer, die im WOLLEN-Modus arbeitet, höher sein mĂŒsste, als sie es ĂŒblicherweise ist. Diese Art Motivation meinen Unternehmer und GeschĂ€ftsfĂŒhrer, wenn sie mich fragen, wie man wohl die Mitarbeiter aktivieren könnte. Wie bekommt man mehr Menschen aus dem MÜSSEN-Modus in den WOLLEN-Modus? Wie schafft man Bedingungen und wie mĂŒssen diese aussehen, damit das passiert? Was ist das Besondere dieser Situationen und wie muss man darin fĂŒhren?

Mit den Antworten auf diese Fragen, die ĂŒbrigens niemals pauschal oder rezepthaft sein können, betreten wir Neuland. Und gleichzeitig besinnen wir uns auf alte FĂŒhrungstugenden. Das klingt paradox? Ist es aber nicht, sondern nur die beiden Seiten der einen Medaille.

Falls Sie demnĂ€chst in Urlaub gehen, empfehle ich Ihnen "schlau statt perfekt" als LektĂŒre. Es liest sich flott und beantwortet Ihnen auch die eine oder andere der oben angerissenen Fragen.