Das Humanagement Manifest

Nichts steht still, alles bewegt sich. Auch Unternehmen. 

Wir unterscheiden zwei grundsätzlich unterschiedliche Umgebungen, in denen sich Unternehmen bewegen. Die über lange Zeiträume „normale“ Umgebung, die berechenbar, planbar, weitgehend determiniert ist und eindeutigen Ursache-Wirkungs-Verknüpfungen unterliegt, nennen wir kühle Umgebung. Immer häufiger geraten Unternehmen in der Folge von Globalisierung, enger werdenden Märkten, Disruptionen in Wissenschaft und Technik, heftigeren Wettbewerb in Unberechenbarkeiten, Turbulenzen, Überraschungssituationen – in heiße Umgebung. Im Businessalltag finden wir beide Umgebungen parallel. In nahezu allen Branchen gewinnt allerdings die heiße Umgebung zunehmend Oberhand.

Damit ein Unternehmen sich erfolgreich in seiner Umgebung bewegen kann, muss es sich entwickeln. Das Unternehmen als Ganzes muss sich entwickeln, Produkte und Geschäftsmodelle müssen entwickelt werden, Mitarbeiter und Führungskräfte müssen sich entwickeln, ihre Qualifikation, ihr Denken und Verhalten.

Es gibt zwei Möglichkeiten, mit Entwicklung umzugehen. Entweder man entwickelt selbst, gestaltet Dinge aktiv und verändert sie gemäß den eigenen Zielen – geeignet für Unternehmen in kühler Umgebung. In heißer Umgebung ist es oft nicht sicher, ob Ideen und Konzepte zukünftiger Entwicklung, also das, was wir uns vorstellen können und wollen, tatsächlich zum Erfolg führen. Hier bietet sich eine zweite Möglichkeit an, indem man beobachtet, wie die Dinge sich entwickeln, welche Richtung sie quasi von selbst nehmen, und unterstützt oder behindert Entwicklungen gemäß den eigenen Zielen.

Management im klassischen Sinne betreibt Entwicklung aktiv und direkt. Es gibt bewährte Instrumentarien und Methoden, weitgehend konsistente und beschriebene Managementtheorien. Sie beruhen auf und erfordern Berechenbarkeit, die in kühler Umgebung weitgehend gegeben ist. Für Unternehmen in kühler Umgebung ist Management deshalb die effektivste Form, ein Unternehmen erfolgreich voranzubringen. Und wird es auch bleiben.

Befinden sich Unternehmen in heißer Umgebung, führt klassisches Management nur noch eingeschränkt zum Erfolg, da die Voraussetzung der Berechenbarkeit hier nicht mehr in erforderlichem Maße gegeben ist. Heiße Umgebung ist komplex, hochdynamisch überraschend und disruptiv. Die Entwicklung von Unternehmen in heißer Umgebung ist Gegenstand von Humanagement – Beobachtung der sich vollziehenden Entwicklungen und deren unterstützende Beeinflussung. 

Während Management über viele Jahrzehnte, eigentlich schon seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, immer weiter ausgefeilt wurde und in den Unternehmen überall verbreitet ist, wurden mit Humanagement erst in den zurückliegenden 30 Jahren Erfahrungen gesammelt. Im Unterschied zu Management bildet Humanagement kein eng definiertes Bündel von Methoden und Instrumenten, sondern besteht aus Denkmodellen, beschreibt Prinzipien und darauf basierend allgemeine Verfahren zur Steuerung von Entwicklungsprozessen. Ihre Benutzung verlangt zunächst ihr Verstehen und dann die intelligente Anwendung der darin beschriebenen Prinzipien auf den jeweiligen Einzelfall – eine täglich große Herausforderung für Führungskräfte. Beispiele und Erläuterungen zu Humanagement finden sich in zahlreichen Publikationen.

Unter Verzicht auf theoretische Herleitungen und Autoritätsnachweise, umfangreiche Erläuterungen sowie detaillierte Beispiele legt das Humanagement Manifest die genannten Denkmodelle und allgemeinen Verfahren in komprimierter Form offen. Dies ermöglicht und erfordert beim Lesen zielführende Fragestellungen, wie 

  • Was bedeutet das für mich in meiner konkreten Situation?
  • Welche alternativen Ansatzpunkte ermöglicht es mir über mein gewohntes Herangehen hinaus?
  • Wie kann ich dieses Prinzip/diese Erkenntnis konkret anwenden?
  • Finde ich Beispiele, bei denen genau diese Sichtweise bereits nützlich war?