Change Management

In der vergangenen Woche hatte ich Gelegenheit, in Japan ein sogenanntes Satellite Office zu besuchen. Dabei handelt es sich um AuĂźenstellen groĂźer Unternehmen auĂźerhalb der Ballungszentren in Gegenden mit hohem Freizeitwert, die diese aus mehreren GrĂĽnden einrichten:

Wandel läuft oft anders, als vorhergesagt. Ein Beispiel: Bis vor Kurzem dachte ich noch wie die meisten, die Veränderungen im Buchhandel würden durch das E-Book getrieben. Weit gefehlt, wie ich jetzt im Zusammenhang mit der Entwicklung der Absatzzahlen meines Buchs „schlau statt perfekt“ feststellen konnte. Ich hatte nämlich meinen Verlag angerufen und mich beschwert, dass das Buch nicht in den Buchhandlungen zu finden ist und auch nicht als E-Book zur Verfügung steht. Was mir der Marketingchef von BusinessVillage darauf geantwortet hat und warum es darauf gar nicht ankommt, fand ich schon erstaunlich. Und es zeigt mal wieder, dass Zukunft rein spekulativ ist. 

Das Komplexitätsthema wird von vielen Menschen als ziemlich theoretisch wahrgenommen. Das liegt daran, dass es uns ständig umgibt. Wir kennen praktisch nichts Anderes, als in komplexen Situationen und Problemen zu stecken. Und irgendwie kommen wir ja damit auch zurecht. Meistens jedenfalls. Manchmal allerdings kommt es ganz besonders „dicke“ und dann haben wir so richtig Stress. Wie der Geschäftsführer, dessen mittelständische Firma von einem Konzern übernommen wurde und der sich plötzlich allen möglichen neuen Anforderungen gegenübersah. Und zwar allen gleichzeitig. Da wurde aus der „gewohnten“ Komplexität das reine Chaos. Die Planungs- und Budgetierungsprozesse, die Berichtswege, Beschaffung, Logistik, das Produktportfolio, Belegschaftsstärke, seine neuen Vorgesetzten – alles veränderte sich plötzlich auf einmal. Und außerdem musste er ja auch noch das Tagesgeschäft organisieren. 

„Ich habe in meinem Unternehmen eine ganze Menge gut ausgebildeter, junger und talentierter Mitarbeiter, um die mich viele beneiden. Aber sie kriegen ihr geballtes Wissen einfach nicht auf die Straße. Solange alles einfach ist und theoretisch, finden sie supergute Lösungen, aber wenn dann die Alltagspraxis über sie kommt, ist es vorbei.“ Mein Gegenüber am Tisch eines kleinen Restaurants, in dem wir uns hin und wieder zu einem informellen Gedankenaustausch treffen, schaute beim diesen Worten ziemlich ratlos drein. Als ich dann meinte, dass seine jungen Mitarbeiter wohl mit der Komplexität ihrer Arbeitssituation nicht zurechtkämen, nickte er. „Können Sie denn nicht meinen Youngstern dieses komplexe Denken beibringen? Sie machen doch so etwas.“

Diskussionen über Unternehmenskultur verlaufen oft nebulös. Es gibt auf diesem Feld zu wenig „ZDF“: Zahlen – Daten – Fakten. Deshalb werden viele Worte gemacht, denen zu wenige konkrete Taten folgen.

Die Ermittlung des Changeindex beruht auf 30 Einschätzungen, die für ein Unternehmen bzw. einen Unternehmensbereich zu bestimmten, die Veränderungsfähigkeit in Teilaspekten charakterisierenden Merkmalen vorgenommen werden müssen. Die eine Hälfte dieser Einschätzungen bezieht sich auf Stabilitätsmerkmale (z.B. Regelung der Verantwortlichkeiten, Sicherheit des Arbeitsplatzes, robuste Prozesse), die andere auf Flexibilitätsmerkmale (z.B. Lernbereitschaft der Mitarbeiter, Informationsfluss, operative Änderungen).

Kürzlich berichtete mir eine junge Dame ganz stolz, dass sie jetzt auch Change Management anbietet. Auf mein interessiertes Nachfragen stellte sich heraus, dass sie Menschen bei der Veränderung ihrer Ernährungsgewohnheiten hilft. Das ist ja nun sicher sehr ehrenwert und vermutlich hilft es den Betroffenen, aber mit Change Management hat es in etwa so viel zu tun, wie ein Trittroller mit einem S-Klasse-Mercedes.

Ich habe das Thema mit der jungen Dame nicht weiter vertieft, denn ich wollte ihren Enthusiasmus, getragen von einer großen Portion Sendungsbewusstsein, nicht bremsen. Trotzdem geht mir die Geschichte nicht aus dem Kopf, weil sie symptomatisch ist für das, was seit einigen Jahren, und besonders in der letzten Zeit, mit dem Begriff Change Management passiert. Er wird derartig inflationär benutzt, dass er sich in der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr von seinem eigentlichen Inhalt entfernt und völlig verflacht. Jeder macht damit, was er will, missbraucht ihn mitunter sogar.

Endlich ist unsere Studie zur Veränderungsfähigkeit von Unternehmen in Deutschland fertig geworden (http://www.humanagement.de/news-wissen/fachpublikationen). Als wir sie im 2. Halbjahr 2013 gestartet haben, ging es uns zunächst nur um die Fortsetzung der im Jahre 2011 begonnenen Untersuchungen. Wir merkten allerdings sehr schnell, dass wir mit der weiterentwickelten Methodik des Change-o-Meters 2.0 eine weitere große Chance hatten: Den Nachweis einer aussagefähigen Kennziffer für die Veränderungsfähigkeit von Organisationen.

Schneider zog sacht die Haustür hinter sich zu. Er sog die kalte Schneeluft ein und blinzelte gegen das Licht der Straßenlaterne in den leichten Flockenfall. Würde ein schöner Abendspaziergang werden. Er machte das seit einigen Jahren immer am zweiten Weihnachtstag. Die klare Luft und die Ruhe ließen die Gedanken zurückgleiten ins vergangene Jahr. Zum Jahresanfang hatte er den Vorstandsvorsitz übernommen. Und dann waren ereignisreiche Monate gekommen. Obwohl die Branche unter den Auswirkungen der aktuellen Krise litt, ja sogar die ganze Wirtschaft in Nöten war, konnten sie expandieren. Das Geschäft in Asien weitete sich aus, selbst im US-Markt und in Europa konnten sie dank ihres neuen Geschäftsmodells zulegen. Durch den Zusammenbruch zweier Wettbewerber entstanden beträchtliche Freiräume, in die sie beherzt hineinstießen. Was war das für ein Erfolg in seinem ersten Jahr. Sie verdienten klotzig Geld, übernahmen erstklassiges Personal von den unglücklicheren Wettbewerbern und gewannen neue Kunden. Die Presse jubelte, Neider nannten sie „Krisengewinnler“.

Heute kann ich meinen monatlichen Infobrief kurz halten, denn die Inhalte für den Monat September haben wir auf Video aufgenommen. Wenn Sie diesem Link http://tinyurl.com/ooquotr folgen, erfahren Sie alles Wissenswerte. Außerdem können Sie ein wirklich gut gemachtes Video genießen.

Alle spüren, dass etwas in der Luft liegt. Die Konjunktur ist zwar nicht eingebrochen, aber immerhin abgebremst. Eine Rezession könnte auch für Deutschland kommen, muss aber nicht. Es könnte auch passieren, dass die Konjunktur wieder anspringt, zumindest in Teilbereichen. In vielen Unternehmen registrieren wir aktuell eine Zurückhaltung bei Investitionen, vorsichtiges Abwarten. Keiner weiß, was in den nächsten sechs Monaten tatsächlich passieren wird und wie sich die Bedingungen entwickeln werden.

Ein Essay ĂĽber Unausweichlichkeit

Wenn man über Wandel, seine Ursachen und seine Unausweichlichkeit redet, kommen meist die globalen Themen zur Sprache. Globalisierung, regionale Machtverschiebungen und geopolitische Tektonik, Bevölkerungszuwachs, Ressourcen- und Umweltprobleme, demografische Entwicklung, Instabilitäten der Finanzmärkte, technologische Quantensprünge, Gentechnik und so weiter. Dies alles zusammen führt zu einer enormen Komplexitätserhöhung in der Welt, wir sprechen von exponentiellem Wandel. Das bedeutet objektiv und unausweichlich, dass die Welt immer volatiler werden muss, dass es zukünftig keine Ruhe mehr geben wird. Das stellt Unternehmen, stellt die ganze Gesellschaft vor Herausforderungen, die nicht nur riesig in ihrem Ausmaß, sondern vor allem – ebenfalls objektiv und unausweichlich – weitgehend unbekannt sind. Dort steckt das besondere Problem. Wir wissen nicht, was auf uns zukommt, können es nicht wissen.

So weit so gut.

Dr. Stefan Fourier in Ideen-Tipps-Trends

Capgemini Consulting hat wieder eine Studie zum Thema Change Management herausgegeben. Die letzte Studie stammt aus dem Jahre 2010 und ich hatte auch damals darĂĽber berichtet.

Diese Studie steht unter dem Titel „Digitale Revolution – Ist Change Management mutig genug für die Zukunft?“. Die Ergebnisse der umfangreichen Befragungen werden also in den Kontext der aktuellen Entwicklungen gestellt und – besonders interessant – die Frage aufgeworfen, ob Change Management tatsächlich den erforderlichen Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen leisten kann.

Dr. Stefan Fourier in Ideen-Tipps-Trends

Im Internet ist vor geraumer Zeit eine Zeitschrift gestartet: X.netzwerker (http://blog.buero-x.org/tag/x-netzwerker/). Das Format ist richtig spannend und ich war deshalb gegenĂĽber einer Interviewanfrage aufgeschlossen. Die Fragen fand ich dann auch sehr interessant und zu den Themen der letzten Infobriefe passend, so dass ich das Interview hier gekĂĽrzt wiedergebe:

Dr. Stefan Fourier in Ideen-Tipps-Trends

Ein neuer Excellence-Begriff macht die Runde. Nach Operational Excellence, Business Excellence und allen möglichen anderen „Exzellenzen“ kommt nun Change Excellence. Was ist damit gemeint?

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