Remote geht anders ...

Traditionelle Workshops leben von der Interaktion der Teilnehmer, vom lebendigen Austausch, von der Ideenvielfalt und überraschenden Wendungen. Ob World Café, Open Space, Zukunftskonferenz, Mindmapping, Metaplan und Brainstorming, alles erzeugt interaktive Diskurse, die ein breites Spektrum an Lösungsansätzen generieren und diese dann zu einem praktischen Aktionsplan verdichten. Wesentliche Erfolgsfaktoren sind Empathie und der persönliche, auch informelle Austausch der Teilnehmer. Vielfach greifen die kreativen Prozesse auch in die Pausen oder in die Abendveranstaltung über, so dass oft erst am zweiten Tag die Durchbrüche erzielt werden. Ich sage scherzhaft immer „Lasst uns die Nächte produktiv machen“, und ich meine damit nicht die Aktivitäten an der Bar, sondern die Nachwirkung der offiziellen Agenda im bewussten und unbewussten Denken der Teilnehmer. Es war deshalb in der Vergangenheit durchaus sinnvoll, Workshops zu strategischen Themenstellungen oder zur Lösung besonderer Probleme über mehrere Tage und außerhalb des gewohnten Umfelds sowie mit einem bunten Spektrum vielfältigster Teilnehmer (Stichwort Interdisziplinarität) zu organisieren.

Mit Corona haben sich aber die Bedingungen so einschneidend verändert, dass solche bewährten Vorgehensweisen nicht mehr herangezogen werden können. Aber Moment mal! Eigentlich waren wir schon vor Corona mit Anforderungen konfrontiert, die diese Vorgehensweisen in Frage stellten. Am deutlichsten kamen in den vergangenen Jahren Forderungen auf, schneller zu Ergebnissen zu kommen, die Mitarbeiter nicht so lange aus ihren Routineprozessen herauszureißen und außerdem Geld zu sparen. Deshalb habe ich bereits vor vier Jahren mehr und mehr auf Kurzformen umgestellt, meine sogenannten Impulsworkshops. Sie dauerten maximal vier Stunden und führten nicht sofort zum Endergebnis, sondern immer nur zur einem Zwischenresultat. An diesem wurde dann von den Teilnehmern bis zum nächsten Termin selbstständig weitergearbeitet und mit diesen Ergebnissen in den nächsten Impulsworkshop gestartet. 

Das Fazit nach diesen Jahren: Besser vorbereitete Teilnehmer, weniger Redundanz in den Gesprächen, Problemlösung in kürzerer Zeit. Allerdings stellt diese Vorgehensweise höhere Ansprüche an die Workshopmoderation. Sie kann sich nicht auf eine neutrale Rolle beschränken, sondern muss selbst beträchtliche Lösungsenergie entwickeln. Der Moderator muss zwar kein ausgewiesener Fachspezialist sein, muss aber doch eine ganze Menge in der Sache verstehen. Und er muss den gesamten Prozess von der Problembeschreibung bis zur Problemlösung gestalten. Das beste Bild hierfür: "Lotse vom Problem zur Lösung".

Mit den Impulsworkshops konnte ich viele Erfahrungen sammeln, die mich unter den aktuellen Bedingungen in die Lage versetzen, Online-Workshops erfolgreich zu veranstalten. Hierbei setze ich ein paar Prinzipien konsequent um:

  • Klar gegliederte Agenden
  • Enge Teilnehmerkreise
  • Kurze Einheiten
  • Straffe Prozessführung
  • Verteilung von „Hausaufgaben“
  • Simultane Protokollführung

Auf diese Weise lässt sich der Prozess vom Problem zur Lösung effektiv gestalten. Die Teilnehmer bekommen das Gefühl, dass sie aktiv und wirkungsvoll arbeiten können, und dass sie wichtig für das Gelingen des Workshops sind. Mehr und mehr Kunden setzen auf diese Vorgehensweise und sammeln damit positive Erfahrungen. Deshalb also bin ich mir bei meiner Prognose so sicher, dass Remote-Arbeiten auch über Corona hinaus Bestand haben und zu einem wichtigen Teil der neuen Normalität werden wird.